Mein Jahr in Peru

Montag, 16.02.2009

 

Hallo ihr Lieben,

nach einer sehr langen Pause melde ich wieder zurück. Ich habe Weihnachten und Neujahr in Cajamarca verbracht und eine schöne Zeit gehabt. Mit meinen Freunden habe  ich ein schönes Festessen gemacht und schöne Stunden verbracht. Da wir alle Freiwilligen gerade Urlaub haben, konnten wir die Zeit nutzen und das Land bereisen.

Zuerst bin ich mit Lina, Tim und Miriam nach Bolivien gefahren und haben die ersten drei Tage in unbequemen Bussen verbracht und wenig geschlafen. Dadurch haben wir aber auch sehr viel gesehen und spontan unsere Pläne geändert.

In aller Frühe sind wir dann sehr verschlafen angekommen und befanden uns in einer Geisterstadt, in der niemand war. Stunden später ging das Leben in der Stadt los und aus allen Ecken kamen weitere Touristen und Backpacker, die auch in die Salzwüste fahren wollten.

Wir drei haben eine dreitägige Tour mit einem Jeep durch die Salar gemacht. In den drei Tagen haben wir verschiedene Lagunen, Vulkane und Nationalparks gesehen. Es war eine wunderschöne Tour, in der wir die Schönheit der Natur und auch Eigenheiten der Natur gesehen habe und dabei auch an meine Grenzen gekommen bin. Wir waren nämlich auf fast 5000 m Höhe, haben Hitze und Kälte überstanden und sehr wenig Schlaf gehabt.

Leider gab es auf der Rückfahrt  einige Komplikationen, denn die nette Frau am Terminal hat uns falsche Informationen gegeben und so haben wir es nicht mehr rechtzeitig geschafft die Grenze zu passieren. So waren wir gezwungen eine Nacht in Copacabana zu übernachten und uns für den nächsten Tag einen Bus nach Lima organisieren. Aber auf Reisen lernt man sich mit Komplikationen abzugeben und das Beste daraus zu machen. Denn so hatten wir die Möglichkeit uns die schöne Grenzstadt anzusehen und ein bisschen zu bummeln. Als wir dann endlich einen Bus gefunden haben, der uns nach Arequipa fährt, hat uns der Fahrer erklärt, dass es keine Verbindung mehr nach Lima geben würde. Es war aber von großer Bedeutung, dass wir am 11.01 in Lima sind um Linas Freund abzuholen. Deshalb konnten wir es uns nicht leisten noch einen Tag zu verlieren. Durch „Kontakte“ hat es der Fahrer geschafft uns einen Anschlussbus nach Lima in Puno zu besorgen. Wir haben noch bevor der Bus losgefahren ist unser Ticket in die Hand gedrückt bekommen und sind ganz schnell in den anderen Bus gesprungen. Zu unserer Überraschung saßen wir im Royal Class Bus von Ormeno und mussten nichts mehr zahlen, als bei der Direktverbindung von La Paz nach Lima.

Die Fahrt war etwas sehr besonderes und endlich mal wieder ein wenig Luxus, nach den vergangenen 3 Tagen im Jeep. Auch wir waren sehr erleichtert, denn wir konnten rechtzeitig in Lima ankommen um Lukas abzuholen.

In Lima haben wir zwei schöne Tage am Strand verbracht und haben uns ein wenig ausgeruht und neue Kraft getankt. Besonders schön war es, dass ich ein paar Freunde getroffen habe, die auch zufällig in Lima waren.

Nach Lima ging es die Panamerikana Richtung Pisco weiter. Die Stadt hatte vor ein paar Jahren ein schlimmes Erdbeben gehabt und die großen Folgen konnte man immer noch sehen. Viele Häuser waren noch immer nicht aufgebaut und die Trümmer lagen noch verteilt. Viele Menschen wohnen seitdem in Papp-Häusern. Ich fand die Stadt richtig furchtbar und auch ein wenig unheimlich und hatte auch Angst ausgeraubt zu werden. Dennoch haben wir in einem sehr schönen Hotel geschlafen und dort habe ich mich auch sicher gefühlt. Am nächsten Morgen sind Tim und ich in aller Frühe aufgebrochen, um die Islas Ballestes zu besichtigen. Dies sind die Gallapagosinseln für Arme und dort konnten Seemöwen, Seelöwen und verschieden Pinguine betrachtet werden. Auch ein Bild der Nasca - Linien konnte bestaunt werden. Man musste jedoch aufpassen von den Vögeln, die über einen in Scharen geflogen sind nicht vollgeschissen zu werden, denn das wäre nicht sehr angenehm gewesen. Gott sei dank war dies nicht der Fall und wir sind sauber wieder in Pisco angekommen. Den ganzen Nachmittag hatten wir zur Verfügung und da es in Pisco keine Sehenswürdigkeiten gab, die es zu bestaunen gibt, verbrachten wir den Tag im Hostal. Abends um sechs Uhr sollte der Bus dann weiter Richtung Arequipa fahren, aber wie das in Peru üblich ist kam der Bus mit 3 Stunden Verspätung… in der Zeit wurde es immer dunkler und ich hatte die Befürchtung, dass uns was passieren könnte, denn so viele Touristen gab es zu dem Zeitpunkt nicht. Da  Pisco nicht direkt an der Panamerikana liegt mussten wir auf unser Taxi warten, dass uns an die Straße fährt und von dort sollten wir in den Bus einsteigen. In der Theorie klingt es ja nicht so schlecht, aber in der Praxis sieht es ein wenig anders aus. Wir wussten nicht genau wann der Bus kommen sollte und standen mindestens eine halbe Stunde an der Strasse und haben zugesehen wie andere Personen in verschiedene Busse eingestiegen sind…. Jedoch hatten wir eine Person, die auf uns aufgepasst hat und unseren Bus telefonisch erreicht hat. Nach einer weitern viertel Stunde kam dann auch unser Bus und wir konnten beruhigt einsteigen.

Vormittags sind wir dann in Arequipa angekommen und ich war richtig begeistert von dieser Stadt und ihrer Kultur. Der Plaza und die Kathedrale mit der schief- klingenden Orgel war ein kleines Highlight. Wir haben uns noch ein paar Museen angesehen unter anderem das Museum Yankee, in der Mumien ausgestellt sind, die vor über 500 Jahren auf dem Vulkan Misti geopfert wurden. Es war sehr interessant und man hat viel von der früheren Kultur erfaren. Anschließend  haben wir uns das riesige Klostergelände angesehen und so einen Einblick in das Leben der Nonnen von Arequipa bekommen. Nachmittags haben wir uns noch verschiedene Märkte angesehen und so den Tag ausklingen lassen. Am nächsten Tag begann dann auch unsere Tour durch den Colca- Canon, dem tiefsten Canon der Welt und wir konnten auch Andencondore beobachten, die über unsere Köpfe geflogen sind.

Nebenbei hatten wir auch einen kulturellen Abend und landestypisches Essen bekommen.

Nach Arequipa ging es dann weiter Richtung Puno und Titikakasee. In Puno haben wir dann auch Lina und Lukas wieder getroffen. In Puno hatte es dann auch zum ersten Mal richtig geregnet und so konnten wir abends nicht sehr viel machen. Am nächsten Tag ging es dann in aller Frühe zum Hafen, um dort eine Tour zu den Islas Flotantis und zur Isla Talquile. Als erstes Ziel haben wir die Schilfinseln  besucht, auf den die Frauen ihren Schmuck verkauft haben und die Männer demonstriert haben wie sie die Inseln bauen. Besonders interessant fand ich, dass die Frauen uns zum Abschied „Vamos a la playa“ und andere Partylieder gesungen haben. Auf der Insel Talquile, die wir nach 3 Stunden erreicht hatten, leben die strickenden Männer, die die Hauptbeschäftigung haben Mützen zu stricken. Auch auf der Insel scheint das Leben still zu stehen, es gibt nicht sehr viel noch nicht mal Hunde oder Katzen. Man hatte jedoch einen wunderschönen Ausblick auf den Titikakasee und die Höhe hat man doch ziemlich gemerkt.

Am nächsten Tag haben wir uns gemeinsam aufgemacht um weiter nach Cusco zu fahren. Zufälligerweise haben wir Jenny und Tamina, meine Mitbewohnerinnen aus Cajamarca getroffen, die auch nach Cusco fahren wollten, so waren wir wieder fast vollständig und es war eine sehr lustige Fahrt, da wir viel auszutauschen hatten.

In Cusco wurden Tim und ich von unseren Freunde, die in Cusco arbeiten abegholt und wir konnten bei ihnen die Nacht schlafen, es war richtig schön sie nach so langer Zeit wiederzusehen. In Cusco haben wir uns dann nach Combis umgesehen, die uns bis nach Aguas Calientes zum Machu Picchu bringen konnten. Nach einer Weile haben wir auch Combsi gefunden, die uns zunächst bis nach Santa Teresa fahren konnten. Am selben Tag ging es dann auch schon los und wir sechs waren auf dem Weg zum Machu Picchu. In Santa Teresa angekommen waren wir schon in einer ganz anderen Welt, wir waren schon ein wenig im Regenwald und das Klima war richtig schwül warm. Das Hostal war sehr gewöhnungsbedürftig, da überall Kleintiere waren, aber für eine Nacht war es ok.

Am nächsten Morgen sind wir mit einem Taxi bis zur Hydroelektrika gefahren. Die Straße war nicht sehr sicher und wir sind ziemlich oft an Abgründen vorbeigefahren, aber wir sind um 11.00 Uhr vollständig und ohne Unfall angekommen. Wir hatten noch ein wenig Zeit bis der Zug losgefahren ist und in der Zwischenzeit haben wir uns ein wenig auf einer Bananenplantage ausgeruht. In Aguas Calientes angekommen haben wir uns auf die Suche nach einem Freien Hostal gemacht, was sich nicht als sehr einfach ergeben hat. Nachdem wir glücklicherweise noch eins bekommen haben, haben wir unsere Tickets gekauft und abends lecker gegessen. Aguas Calienes ist mit Uyuni zu vergleichen, eine Stadt, die nur vom Tourismus lebt und in der hauptsächlich auch nur Touristen sind.

Am nächsten Morgen ging es in aller Frühe zum Machu Picchu und wir standen an einer langen Schlange an, um den Bus zum Berg zu erreichen. Es war sehr bewölkt und es hat einige Zeit gedauert bis sich die Wolken gelichtet haben und wie freie sicht auf die Stadt Machu Picchu hatten. Es war wunderschön und auch geheimnisvoll, die Stadt bot so viele versteckte Sachen, die es nur zu erkunden gab. Den ganzen Vormittag haben wir dort verbracht und nachmittags haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Wir haben auch einen Kombi gefunden, der uns direkt nach Cusco gefahren hat. Dort haben wir dann wieder bei unseren Freunden geschlafen.

Am nächsten Tag habe ich mich dann wider von meinen Freunden aus Cajamarca verabschiedet, denn die haben sich wieder auf den Rückweg gemacht. Ich bin mit Tim noch 2 Tage in Cusco geblieben und habe mir das Projekt der Anderen und die Stadt noch ein wenig angeschaut. Ich bin dann mit ihnen gemeinsam nach Lima zu unserem Zwischenseminar gefahren und habe mich schon riesig darauf gefreut die anderen Freiwilligen wieder zu sehen und zu erfahren wie die Arbeit in ihren Projekten ist.

Es waren sehr schöne 5 Tage und es war wieder schade, sich von allen zu trennen.

Ich habe mich dann mit Tim und Adrian auf den Rückweg gemacht und bin seit langer Zeit wieder in Cajamarca. Dort hat sich nicht viel verändert, außer dass sie Cajamarciner sich mit dem werfen von Wasserbomen auf uns Mädchen die Zeit vertreiben. Denn seit über anderthalb Monaten wird hier Fasching gefeiert und nächstes Wochenende wird es richtig bunt, denn da werfen sie auch mit Farbbomen auf uns und ich will mir gar nicht vorstellen wie ich aussehen werde.

Mit der Arbeit haben wir auch wieder angefangen, zwar sind die Kinder noch nicht aus ihren Ferien zurück, aber es gibt noch genug arbeit zu erledigen. Wir sind damit beschäftigt, die Ställe von Unrat zu befreien und sie zu ordentlichen Werkstätten für die Kinder umzubauen.

Außerdem stecken wir mitten in den Vorbereitungen für den Spielplatz auf dem Porongo.

Es soll nämlich ein behindertengerechter Spielplatz entstehen und das Leitthema ist das Piratenschiff mit vielen weiteren Möglichkeiten wie beispielsweise große Korbschaukeln, Wippen und Rutschen. Hinzu soll auch ein Irrgarten kommen, bei dem einige Heimkinder für die Zukunft eine Arbeit haben und Gärtner sein können. Eine Grillecke soll das Ganze abrunden, denn es kommen auch ab und zu Familien vorbei und das würde das ganze Gelände wesentlich attraktiver machen. Wir hoffen alle, dass es so klappt wie wir uns das vorgestellt haben und nicht ewig auf Baumaterialien warten müssen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meiner Heimatgemeinde bedanken, die für dieses Projekt Geldmittel zur Verfügung gestellt hat und die Kosten konnten damit abgedeckt werden. Vielen Dank noch mal…

Ich melde mich, wenn wir mit der Bauphase angefangen haben. Darauf freue ich mich auch schon, denn so sieht man endlich, dass sich in diesem Land etwas bewegt.

Viele liebe Grüße eure Magdalena